Ganz sicher sind die wundervollen Sandstrände Sardiniens ein sehr guter Grund, die Insel zu besuchen. Doch ist man ersteinmal ein Wenig in die Kultur und Geschichte eingetaucht, hat sich womöglich in die Insel verliebt, will man mehr wissen…., mehr über die immer noch etwas mysteriöse Vergangenheit der Insel, über die Kultur der Sarden, ihre geschichtliche Entwicklung und die Auswirkung der vielschichtigen Vergangenheit auf die Gegenwart dieser zauberhaften Insel.
Vielleicht sind Sie neugierig geworden und möchten mehr erfahren über all die Kegelförmigen Bauten, “Nuraghen” genannt, von denen auf der Insel mehr als siebentausend existieren oder fragen sich, ob in Feengräbern “Domus de Janas” wirklich Feen wohnen und ob Riesen in den “Tombe dei giganti” zu Grabe getragen wurden. sole_trennlinie

Beginnen wir mit den Nuraghen:

Rundtürme aus riesigen Steinbrocken, Nuraghen, oder nuraghi genannt, erbaut aus mächtigen Steinblöcken und mit kleineren Steinen gegen Einsturz so gut gesichert wurden, das sie auch heute noch Zeugnis einer längst vergangenen und immer noch geheimnisvollen Kultur sind: Der Nuraghenkultur.

Geschichte der Nuraghen

Die Nuraghenkultur auf Sardinien entwickelte sich etwa um 1600 v. Chr. während der Bronzezeit aus der Bonnanaro-Kultur. In der ausgehenden Bronzezeit, ca. vom 14. bis zum 11. Jahrhundert vor Christus, waren Mittelmeerraum und naher Osten wirtschaftlich eng vernetzt, es gab verschiedene Reiche und Stadtstaaten, die regen Handel miteinander trieben. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Metallen. Kupfer war auf Sardinien als Importgut sehr begehrt, zusätzlich zu den eigenen großen Vorkommen. Die Nuraghenkultur schuf daraus einmalige Bronzefiguren. Die mächtigsten Staaten waren das Ägypten Ramses III., das Hethiterreich und das der Mykener, mit denen ein reger Handel bestand, was sich an zahlreiche Scherben mykenischer Keramik und auch sogenannte kupferne Ochsenhautbarren hauptsächlich aus Zypern, eine Art Währung dieser Zeit im Mittelmeerraum, sowie Bronzestatuetten belegen lässt. Als die Mykenische Kultur etwa 1050 v. Chr. endgültig unterging, gewannen die Phönizier die Seeherrschaft im Mittelmeer. Sie errichteten ab 650 v. Chr. (vermutlich mit Einverständnis der Nuragher) Niederlassungen, begannen aber 550 v. Chr. die Insel zu kolonialisieren und letztlich erfolgte eine großräumige Besetzung durch die Karthager, die von den Römern Punier genannt wurden. Es ist nicht auszuschließen, dass die Nuraghenkultur dann langsam von der phönizischen absorbiert wurde. Zwischen 500 und 238 v. Chr. brachten sie die für sie interessanten Teile, mehrheitlich auf der Westhälfte der Insel gelegen, unter ihre Herrschaft und errichteten mehrere Orte: Bosa, Bythia (Chia), Cagliari, Cornus, Nora, Olbia, Sulki (heute Sant’Antioco) und Tharros. Das führte zu ethnischen und kulturellen Verschmelzungen in deren Folgen die Nuraghenkultur unterging.

Welchen Zweck hatten die Nuraghen?

Die alten Sarden haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen, es ist sogar ungeklärt, ob sie überhaupt eine Schrift benutzten. So bleibt im Dunkeln, was es mit den gewaltigen Nuraghenbauten auf sich hat. Die meisten der nuraghi finden sich im Inselinnern und im Westen der Insel. Sie besetzen strategisch günstige Punkte auf den Kuppen von Hügeln, oft sind mehrere in Sichtweite aufgereiht. Es spricht vieles dafür, dass sie vor allem der Verteidigung dienten, Schutz boten vor Seeräubern und anderen Eindringlingen, Schafdieben und missgünstigen sardischen Nachbarn. Einige bildeten wie der zum UNESCO-Welterbe erklärte Komplex Su Nuraxi dorfartige Siedlungen. Neben der Burg befanden sich etwa 150 auf Steinfundamenten errichtete Hütten, deren Grundrisse noch heute zu sehen sind, ein Besuch, der sich lohnt! Schauen Sie sich ein paar Fotos der Nuraghen Anlage von Barumini an.sole_trennlinie

Brunnenheiligtümer auf Sardinien:

Aufgrund ihrer harmonischen und perfekten architektonischen Konstruktion sind auch die Brunnenheiligtümer sehenswert, wie Sa Testa oder Santa Cristina nahe Oristano, eine wunderschöne Brunnenanlage nahe Oristano, wo noch heute exakt geformte Treppenstufen unter die Erde führen und in einem geometrischen, wunderschönen Brunnenraum enden. Dort unten wurden vermutlich religiöse Reinigungs- und Fruchtbarkeitsrituale durchgeführt. Bei Grabungen wurden Bronzestatuetten gefunden, die vermutlich als Votivgaben geopfert wurden, um die Gunst der Götter zu gewinnen.

Die besondere Athmospähre von Santa Cristina ist immer noch zu spüren. Die gesamte Anlage mit dem Brunnen und dem kleinen Nuraghendorf ist wirklich sehenswert, die Häuser des Nuraghendorfes werden auch heutzutage zu bestimmten Festtagen genutzt. Sardische Künstler lassen sich weiterhin von den Figuren dieser Zeit inspirieren und die Kultur lebt in den Zeichnungen, Schnitzereien, Gewändern Riten und Tänzen weiter.
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Wer wohnt in Feenhäusern?

Feengräber sind fazinierende in den Stein gehauene Höhlen. Es ist auch heute noch spannend die Zeichen dieser vergangenen Epoche zu betrachten und darüber zu sinieren, wie das Leben gewesen sein mag, als Menschen in Felsengräbern, den “Domus de Janas” – den Häusern der Feen beigesetzt wurden, zu Zeiten der Ozieri-Kultur (ca. 4000–3200 v. Chr.). Die Ozieri-Kultur ist die letzte der großen Kulturen der Jungsteinzeit.
In den Gräbern wurden wichtige Persönlichkeiten und Stammesoberhäupter beigesetzt, es gibt heute noch über 1000 auf Sardinien. In die Höhlengräber, die auch als „ewige Wohnungen“ bezeichnet werden, da der Tod als eine Form des langen Schlafes gesehen wurde, legte man nach Ende der Verwesung die Knochen Verstorbener in die von Hand geschaffenen Ausbuchtungen im Fels. Man gab ihnen Waffen mit, um sich gegen Mächte aus dem Jenseits verteidigen zu können und verzierte die Wände mit schönen Zeichnungen, von denen einige bish eute erhalten sind. Man glaubte, das die Felskammern von Feen bewohnt wurden (janas, von lat. Diana), die einst singend an goldenen Webstühlen saßen und sich am Ende ihrer Zeiten in Stein verwandelten, womit wir nun den Ursprung des Namens Feengräber gefunden haben.
Ich entdecke bei jeder Reise neue Häuser der Feen, und bin immer wieder fasziniert von der Schönheit der Anlagen, den Zeichnungen die die Zeiten überdauerten und der magischen Athmosphäre der Feengräber von Sardinien.

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Die Gräber der Riesen, Tombe dei Giganti

stammen aus der Nuraghenzeit. Die Legende erzählt von riesigen Menschen, die dort beerdigt sind und einst Sardinien bewohnten, eine andere erzählt, das sie ihren Namen auf grund der gigantischen Ausmaße bekommen haben, die diese Grabanlagen umfassten. Dies lässt sich auch heute noch gut erkennen. Es gibt auf Sardinien etwa 320 bekannte Grabanlagen, aber ganz sicher noch viele weitere, die bisher im Verborgenen liegen. Die Grabanlagen waren vermutlich nicht vom Stand abhänging, es gibt Gräber, wo bis zu 200 Skelette gefunden wurden, die in Kollektiven Begräbnissen beigesetzt wurden. DieTombe dei giganti sind in Form und Größe einzigartig auf der Welt, auch wenn es bei einer der beiden Formen, Ähnlichkeiten mit englischen Grabanlagen gibt, es sind dies sogenannten Ganggräber, die keine Exedra, den großen hohen Stein im Zentrum des halbkreises besitzen. Die Vorderseite der bis zu 24m langen Grabanlagen war von einem Halbkreis, der Exedra, begrenzt, die vermutlich dem Stier nachgebildet sind. Im Mittelpunkt steht eine Portalstele, die bis zu 4m hoch sein kann. Die Gigantengräber sind teils nach dem Sternbild Stier ( bzw. dem Stern Aldebaran) ausgerichtet, in zweien fällt genau zum Sonnenaufgang am Tag der Tag- und Nachtgleiche das Sonnenlicht durch eine kleine Öffnung in der Stele, was profunde Kenntinsse der Astrologie beweist.

 

Von oben betrachtet, sieht der Halbkreis der Gräber nach einer Interpretation wie eine Gebärmutter aus, was zur Annahme führt, das die Anlagen auch dem Fruchtbarkeitskult dienten und Leben und Tod eng miteinander verbunden waren.

 

Weiterführende Artikel über Tombe dei gigante und Feengräber auf Wikipedia:

Die Gigantengräber sind die größten pränuraghischen Kultanlagen auf Sardinien. Wie die großen Felsengräber (Sos Furrighesos), die Domus de Janas sind sie Monumente der Bonnanaro-Kultur (2200–1600 v. Chr.) der Vorläuferkultur der Nuragher. Die in Sardu Tumbas de sos zigantes und auf italienisch plur. Tombe dei Giganti genannten Bauten zählen (im Bereich der Exedren) europaweit zu den spätesten Megalithanlagen.

Lagepläne und Fotos findet man bei Portale Sardo auf der Seite Tombe dei giganti gut bebildert und katalogisiert.

Weitere Informationen zu Nuraghen und Feengräbern:

Wenn Sie noch mehr über die uralten Gräber erfahren möchten, lesen Sie Nuraghe Su Nuraxi, Barumini, Feengräber und ein unbekanntes Tal auf Sardinien.
Eine sehr detaillierte Karte mit den wichtigsten Feengräbern finden Sie auf der italienischen Seite :

Viele Fotos zu diversen Themen, von Archäologie über Feste, Grotten, Kirchen, Strände, bis zu Trekking und typischen Produkten.
Zum Thema Domus de Janas finden sich viele schöne Fotos und Beschreibungen. auf der Archäölogieseite von il portale sardo, leider nur auf italienisch.