Palermo – ein sizilianisches Dorf gemeinsam gegen die Mafia

Locanda_Riziere-PiemontRom_PastamaschineSeit 2002 versuchen die jungen Leute der Kooperative Placido Rizzotto sich im Weinanbau.
Eigentlich haben sie dafür optimale Bedingungen, denn südlich der sizilianischen Hauptstadt Palermo sind die Bedingungen optimal. Sonne und Wasser gibt es genug – eigentlich.
Unterhalb des kleinen Dorfes San Guiseppe Jato schlängelt sich das Flüsschen Jato – doch die Wasserleitungen werden von der Mafia kontrolliert.
Und die hat der Cooperative den Krieg erklärt, denn ehemals gehörte das Land der “Piovra“, potenten Mafia Familien.

Antonio ist ein Mitglied der Kooperative und erzählt vom Leben hier. Er ist hier geboren, hat in Norditalien Landwirtschaft studiert und kehrte zurück, als sich die Kooperative gründete.
16 Stunden Arbeit täglich während der Erntezeiten, erst seit 2 Jahren ein Gehalt für die Mitglieder zwischen 500 und 1000 Euro pro Monat.
Begonnen hatte man mit Weizen- und Linsenanbau und natürlich – ganz in der Tradition von Sizilien – mit Oliven. Als die erste Pasta mit dem Namen “Terra Libera” – die freie Erde – auf den Markt kam, wurde man in Italien aufmerksam auf die jungen Leute. Sie konnten sich vor Aufträgen kaum retten.
Die Berühmtheit ist ein gewisser Schutz gegen die Vergeltungsschläge der Mafia. Sie beschränkt sich auf Verwüstungen und Brandanschläge. So fiel zum Beispiel einmal die gesamte Weizenernte den Flammen zum Opfer, ein anders Mal waren die Rebstöcke abgehackt.
Das Dorf San Guiseppe Jato war in den 90er Jahren fest in der Hand der Mafiafamile Brusca, die u.a. den Anschlag auf Giovanni Falcone durchführte. Doch das Oberhaupt der Familie, ein gedungener Mörder, wurde geschnappt und ihr Stern begann zu sinken.
Das Vermögen wurde beschlagnahmt: Häuser, Gehöfte und Land.

alghero_sardinien2002, als die Kooperative mit der landwirtschaftlichen Produktion begann, war man hier in San Guiseppe Jato sehr skeptisch und beobachtete misstrauisch die Aktivitäten der jungen Leute. Doch nach der ersten Ernte von Hartweizen, als eine stillgelegte Pastafabrik wieder eröffnet werden konnte, Arbeitsplätze entstanden und anständige Löhne gezahlt wurden, änderte sich die Einstellung der Dorfbewohner. Heute würde niemand mehr hier im Dorf einem Mafiamitglied Unterschlupf gewähren, der Dorfplatz ist nach Falcone und Borsellino benannt und man ist stolz, dass der angebaute Wein sogar im
Vatikan getrunken wird. Der Rotwein “Centopassi“, aus den süditalienischen Trauben Nero d’Avola und Syrah ist zur Zeit der Verkaufsschlager. Die Produkte der Kooperative “Placido Rizzotto werden in der COOP verkauft aber auch in einer Kette kleiner Läden, die Produkte aus “Anti-Mafia-Projekten” verkauft. Der Name ist Programm: “Il sapore della legalità” der Geschmack der Legalität.

Viel Erfolg weiterhin!
Fotos: Weinberg im Piemont und Pastamaschine aus Rom: Sigrid Hering,
Landschaft auf Sardinien: Silke Bomber

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